Vergissmeinnicht (L’âge de raison)

Regissseur und Drehbuchautor Yann Samuell hat einen Film gegen das Vergessen gedreht. Im französischen Originaltitel ist die Anspielung weniger auf das Vergessen, denn auf das “Alter der Vernunft” gemünzt. Doch vereint die Story in Wahrheit beides: Die Protagonistin Margaret, gespielt von Sophie Marceau, erhält an ihrem 40. Geburtstag Briefe von Monsieur Mérignac, einem betagten Notar. Er übergibt ihr einen Brief, den sie als Siebenjährige geschrieben hat. Insgesamt sieben Briefe hatte die erfolgsverwöhnte Geschäftsfrau 33 Jahre zuvor in einem kleinen südfranzösischen Dorf verfasst.  Die Briefe sollten sie in ihrem späteren Leben an ihre Kindheit und an das erinnern, was ihr als Kind wichtig gewesen war. Daher wollte sie als Erwachsene diese sieben Briefe wieder lesen und die Veränderungen in ihrem Erwachsenendasein wahrnehmen. Mit jedem Brief kehren die Erinnerungen – gleich einem Puzzle – wieder zurück: an ihre Mutter, an ihren Bruder, an den tragischen Abschied von ihrer ersten großen Liebe Philibert. Aber auch die Träume der Kindheit. Der Film handelt von diesem Wechselspiel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Und auch von der Idee, dass es nicht zu spät ist, die Weichen in seinem Leben neu zu stellen …

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Der Auftragslover (L’Arnacoeur)

Am 6. Januar ist in Deutschland der erste Kinofilm des Werberegisseurs Pascal Chaumeil, der sein Handwerk bei Luc Besson gelernt hat. An der Côte d’Azur lernen sich der Auftragslover Alex und die dem Hause eines reichen Blumengroßhändlers stammende Juliette auf Order von Juliettes Vater kennen. Dieser will unbedingt verhindern, dass seine Tochter ihren finanziell gut ausgestatteten Verlobten heiratet. Der charmante wie mysteriöse Alex wird von Roman Duris gespielt, der bekannt wurde durch den Film L’Auberge espagnole (Barcelona für ein Jahr) und die erotisch-prickelnde Juliette von der Pop-Ikone Vanessa Paradis. Romantik light mit viel Witz, Charme und einem großen Schuss Humor. Denn Alex hat Schwierigkeiten, trotz aller Register, trotz der perfekten Vorbereitung auf seine Loverrolle – von der gespielten Vorliebe für Roquefort-Käse bis hin zu Dirty-Dancing-Einlagen, Juliette zu erobern. Der Profi-Verführer, dessen Geschäft darin besteht, die unliebsamen Verlobten, Freunde oder Lover gegen ein deftiges Honorar auszuspielen und die Holde für sich zu gewinnen, hat dafür nur zehn Tage Zeit. Und eine Niederlage kann sich der Erotk-Routinier nicht leisten, Pleiten und Pannen inklusive …

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Odette Toulemonde

Nachdem großen Erfolg des Buches „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ hat Eric-Emmanuel Schmitt mit Odette Toulemonde sein Regiedebüt gegeben und auch das Drehbuch verfasst. Es ist wieder eine Geschichte, die so ganz aus dem Alltag in Form einer romantischen Filmkomödie erzählt. Eine einfache Verkäuferin, Odette „Jedermann“, wenn man den Titel aus dem Französischen übersetzt, steht sich in der Kosmetikabteilung eines Kaufhauses den ganzen Tag die Beine in den Bauch. In ihrer kleinen Mietwohnung lebt die verwittwete Mittvierzigerin, verkörpert von Catherine Frot, mit ihrem schwulen Sohn und ihrer immer missgelaunten Tochter und deren ordinären Freund. Trotzdem bleibt sie selbst dabei stets gut gelaunt und wirkt rundum zufrieden. Ihr Traum, in dem sie sich aus dem Alltag flüchtet, sind die Romane des Schriftstellers Balthazar Balsan. Der eitle Schriftsteller, dargestellt von Albert Dupontel, interessiert sich jedoch nicht für seine treue Leserin Odette. Doch als er selbst in eine künstlerische und damit in eine tiefe Lebenskrise gerät, treffen die beiden auf wunderbare Weise zusammen …

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Publikumspreis für Tamoust

Das älteste und größte frankophone Filmfestival Deutschlands – die französischen Filmtage Tübingen/Stuttgart – haben in diesem Jahr ein erstaunliches Programm auf die Beine gestellt. Dazu gehört auch die filmische Dokumentation über eine Touareg-Band „Tamoust“, die hierzulande keiner kennt. Der Schweizer Regisseur Dominique Margot hat sich an das die politisch-brisante Thematik der Tuareg, die im Niger leben, herangetraut. Erzählt wird aus dem Blickwinkel eines Bandmitglieds, das als Einziger ein Erschießungskommando überlebt hat, lässt nun seine Geschichte in seinem Pariser Exil wiederaufleben. Die Musik geht unter die Haut, und noch mehr die existentiellen Probleme eines von der Weltöffentlichkeit vergessenen Nomadenvolkes, das durch seine Uran-Bodenschätze auf dem Reservat-Territorium in das Schussfeld skrupelloser Wirtschaftsmultis geraten ist. Zu Recht hat dieser Film den Publikumspreis der französischen Filmtage erhalten.

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Claude Lelouch stellt „Ces amours-là“ vor

Zur Deutschland-Premiere seines neuesten Films „Ces amours-là“ kam der Regisseur Claude Lelouch am 4. November zu den französischen Filmtagen nach Tübingen. Ein 120-Minuten-Werk – kürzer wäre für eingefleischte Lelouch-Fans undenkbar. Für den Dreh brauchte der Filmemacher, wie er in der anschließenden Diskussion bekannte, nur sechs Wochen. „Alles ist wahr, was ich erzähle“, so Lelouch, „nur hat nicht alles in einem einzigen Film stattgefunden“. Und so erzählen die unterschiedlichen Geschichten immer nur eine einzige: die der Liebe(n). Nach einer genuinen musikalischen Choreographie zeigen die schnellen Schnitte am Ende des Films das Panorama seines Lebenswerks. Ein Kaleidoskop, das sich nur Eingeweihten eröffnen dürfte. Sein 43. Werk – hoffentlich kein Epilog seines künstlerischen Schaffens.

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Requiem für ein Genie

Serge Gainsbourg “Der Mann der die Frauen liebte” (Gainsbourg – Vie heroïque) – Anfang des Jahres in die französischen Kinos gekommen, lief der Film in Deutschland erst im Oktober an. Auch im Stuttgarter Atelier am Bollwerk konnte sich ein Publikum, das mit Serge groß geworden ist, noch einmal mit einem nostalgischen Seufzen in die weichen Kinosessel zurücklehnen. Erotische Auftritte der Schmolllippen-Ikone Bardot und der Immer-Geliebten Birkin inklusive. Gainsbarre. sein Alter Ego, das der Regisseur und Komikzeichner Joann Sfar als animierte Figur in Szene gesetzt hat, gewinnt, so wie in Gainsbourgs wahrem Leben, immer mehr die Oberhand. Der Film zeichnet den schmalen Grat à la Gainsborough – zwischen Genie und dem Inbegriff des Hässlichen nach – auf jede Chronologie verzichtend. Zeit seines Lebens spaltete das Multitalent die Grande Nation mit seinen gesellschaftlichen Tabubrüchen. Genug der Attribute, um ein Held à la Evgenij Solokov zu werden. Die Gainsbourg-Mania lebt: Requiem für Genie.

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